für den Blick in die Natur
für Geist & Seele (Blog)
Vom Wachsen & Werden


Gedichte von Listina Arguso aus den Büchern "Jedes Korn sei feiner Same" und "Manches Herz braucht eine Brille", letztere mit Sternchen-Kennzeichnung im Titel zur Aussage, dass zu dieser Veröffentlichnung die freundliche Genehmigung des Verlages vorliegt. Beide Bücher erschienen im Verlag Frieling&Huffmann Berlin.





Sehnsucht

Frühling ist`s, wovon ich träume.
Hab` ihn langfristig ersehnt.
Seinen Duft, das Grün der Bäume
und den Wind, der lind-lau weht.

Frühling wird es nun bald werden.
In mir drin und drum herum.
Frost und Schnee, die an mir zehrten,
hielt ich aus. Nun sind sie stumm.

Frühlingssturm ist so ganz anders.
Mürbt mich nicht, tut mir nicht weh.
Spielt er draußen, lach` ich drinnen,
sobald ich seine Boten seh`.




Morgenliebe

Die Sonne hat den Frühtau genascht
während die Wiese noch schlief.
Der Kuckuck schon sein Spottlied rief,
als die Blumen erwachten ganz überrascht.

Mondstaub auf ihren Blütenköpfchen
nickten sie im Morgenwind.
Da trank ein kleines Blumenkind
vom Tau das letzte Glitzertröpfchen.

Die Wiese summte vor Vergnügen.
So hat sie es sich vorgestellt
im Tageslicht herumzuliegen.

Sich in den Hüften sacht zu wiegen
und reichlich Blumennachwuchs kriegen.
Das ist es, was ihr gut gefällt.




Auf dem Heimweg

Die Linde blüht und duftet stark.
Ich höre tausend Bienen summen
und ringsherum im ganzen Park
setzt fort sich dieses feine Brummen.

Ich mein`, ich wär` im Bienenstock
und schwirrte selbst als fleiß`ge Imme
im hübschen gelb gestreiften Rock
mit lieblich-süßer Honigstimme.

Die Linde blüht, wie lang nicht mehr,
dass ich erahne voller Freude
der Bienen reiche Nektarbeute.

Sie fliegen emsig hin und her.
Ihr Treiben macht mich ganz benommen.
Ich geh` und will doch wiederkommen.




Flirtsuche

Die erste Rose blüht im Garten.
Ein Schmetterling nascht Blütenstaub.
Dann trägt er den legalen Raub
auf Blüten andrer Blumenarten.

Er läßt am Fliederbusch sich nieder,
der duftet stark. Drin wohnt ein Star.
Den nimmt der Falter sofort wahr
und auch ein kleines Nestchen sieht er.

Des Hollunders weiße Blüten
laden ihn zum Taumeln ein
und entlang des Zaunes segelt

er im Aufwind Richtung Süden
durch strahlenden Sonnenschein.
Bis auch ihm das Glück begegnet.





Stimmungslied*

Der Bach war sommers entenleer.
Sie können nicht auf den Steinen schwimmen.
Doch jetzt zieht`s alle wieder her.
Ein zeit`ger Herbst naht. Das kann stimmen.

Die Sonnenblume strahlt nicht mehr.
Sie lässt das große Köpfchen hängen. 
Den braunen Kernen fällt es schwer,
sich dicht bei dicht im Kelch zu drängen.

Überall nur Stoppelfelder.
Der Bauer hat sein Stroh gemacht.
Das tiefe Grün gemischter Wälder
weicht einer bunten Farbenpracht.

Im Weingut klappern schon die Flaschen.
Noch sind sie leer. Die Trauben reifen.
Der Winzer lässt sich überraschen.
Er will noch nicht zur Schätzung greifen.

Viel Vögel sammeln sich zu Scharen.
Doch ziehen sie nicht fort nach Süden
bevor sie an den Früchten waren
und manche sind, die auch noch brüten.

Rotwild wird sich nun bald paaren.
Der Förster achtet den Bestand
und diesen im Revier zu wahren,
lebt mit dem Mund er aus der Hand.

Alle Spinnen weben Fäden
zu filigranen Netzen fort.
Entstehen dann an diesen Schäden,
schweben sie von Ort zu Ort.

Altweibersommer.




Sonnenfinsternis 11. August 1999*

Mit leisem Summen webt Dämmerung sich
in das Lichtnetz des Tages
und niemand vermag es,
diesem Bann zu entfliehn,
seines Weges wie sonst weiterzuziehn.

Kühler Wind schäumt auf und gichtet die Luft
Die Vögel schweigen stille.
Auch nicht eine Grille
zirpt mehr, kein ander Tier
drängt es aus seinem Verstecke herfür.

Kein Schatten eilt einem Wesen voraus,
auch nicht hinterher,
sobald sich eins regt.
So also sieht eine Finsternis aus,
die den Mond vor die Sonne bewegt.




Plädoyer für einen Vogel

Wenn du einen Kuckuck siehst,
so ist das selten, glaub`s, mein Freund.
Ich möchte dann, dass du ihn grüßt
ganz bewußt und gut gemeint.

Der Vogel flieht an dir vorüber.
Du schaust und staunst: ein Täter ist`s.
Zwar wäre dir ein Opfer lieber,
doch wenn`s nicht stimmt, macht es ja nichts.

Dein Blick hastet dem Tiere nach,
kein Spottpfiff im Vorbei ertönt.
Du denkst: Was hält den Glauben wach,
dass Kuckucks Ruf den Hörer höhnt?

Dann siehst du dieses Tier nicht mehr.
Es ist im Wald, hält sich versteckt.
Beim Rotkehlchen ist`s Nestchen leer
erkennst du schnell und bist erregt.

Des Kuckucks Schuld, so willst du glauben
und brichst schon über ihn den Stab.
Wie kann er junge Vögel rauben
und zocken deren Nester ab?

Ich sage dir: das macht er nicht.
Es irrt, wer glaubt, er sein ein Feind.
Mit meiner bess`ren Zuversicht
weiß ich: er hat nur keinen Freund.

Nach dem Gesetze der Natur
lebt Kuckuck sehr von dem Verzicht,
denn er legt seine Eier nur,
bebrütet diese aber nicht.

Wer also einen Kuckuck sieht,
der hab` Respekt vor seinem Los,
denn so sehr sich dieser müht,
bleibt seine Einsamkeit doch groß.




Väterchen Grün

Nach Jahresringen zählet man
das Alter eines Baums am Stamm
und ist die Zahl der Ringe groß,
wächst auf der Rinde schon das Moos.

Der gute Baum, so hoch betagt,
hat manchen Sturm wohl überragt
und so sein Holz ist hart und fest,
er noch viel Stärke ahnen lässt.

Drum pflegt den Baum, solang er steht,
damit das Leben weitergeht,
denn selbst in allerletzten Tagen
wird grüne Triebe er noch wagen.

Die nehmt und setzet in die Erde,
damit ein neues Bäumchen werde.
So grün und stark, so fest im Holz
sei`s Mutter Erde großer Stolz.






Spätlese

Für Sekt wie rot und weißen Wein
soll Lob und Dank den Winzern sein,
die zwischen ihren Reben geh`n
und alles von dem Saft versteh`n,
der uns die Gläser heben läßt
von Neujahr bis zum Weihnachtsfest.

So mancher Gast in Stammtischrunde
rühmt mit Verstand des Weines Kunde,
den güldener als Rebensaft,
der reifte mit der Sonne Kraft,
ist kein Getränk, sei`s noch so gut,
gleichwohl ein jedes geht ins Blut.

Doch kommt es ganz besonders dann
speziell auf Temperamente an
wobei des Weines Qualität
bei Kennern stets ganz oben steht,
weil schon sein Prädikat gibt an,
was man von ihm erwarten kann:

Herbe, Süße, Lieblichkeit,
Gärungsart und Lagerzeit,
adelig dem Namen nach,
im Bukett sehr rein und wach,
geeignet für die Tischmahlzeit
oder zur Geselligkeit.

Auf jeden Fall hat Wein für immer
seinen Platz im Gästezimmer.
Er ist ein zeitloses Getränk,
von dem königliche Mundschenk
wußten einst gelehrt zu sagen:
"Wein pflegt die Seele, schont den Magen."




Laute Andacht

Geburtstag ist auch Erntedank
für eines Jahres viele Tage.
Wohl dem, der nie gewesen krank
und zeitlich war stets in der Lage
zu meistern, was sein Wunsch und Streben
in Freude ihn ließ miterleben.

So neigt ein Jahr sich demutsvoll
vor dem Altar Besinnlichkeit
und lauthals nun sagt Lebewohl,
wer niemals eins war mit der Zeit,
denn diesem bleiben Fragen offen,
die neuerlich auf Antwort hoffen.

Gott Vater, Sohn und alle Chöre
des Himmels und der Erde auch,
sie jubilieren dem, der schwöre,
wie es in unsrer Kirchen Brauch,
dass Friedlichkeit und Nächstenliebe
sind für ihn Norm im Weltgetriebe.

Drum ist ein Tag, welcher vergeht,
stets wertvoll Gut und Meilenstein,
weil alles, was der Mensch aussät,
er dann auch fährt als Ernte ein:
Liebe und Streit, Freude und Leid,
Dank und Vertrauen, Kraft und Erbauen.




Stille Andacht

Herbstlich färben sich die Bäume,
bunt getupft strahlt jeder Berg.
An Sonnentagen ich gern träume
unten verweilend wie ein Zwerg,
denn dieses Machwerk der Natur
ist meiner Seele Balsam pur.

Knackig glänzen reife Früchte
am Obstbaum wie am Waldbaum auch.
Begehrt für mancherlei Gerichte
prangen Beeren an jedem Strauch.
Viel Trauben gibt es, saftig-süß
und Pilze satt auf mancher Wies`.

So seh` ich stets des Lebens Reife,
die in mir ist, als Herbst auch an
und ehe ich noch recht begreife
hängt an den Haaren Silber dran.
Das macht die Sonne meiner Tage,
an denen ich euch um mich habe.

Und kommt der Frost in meine Glieder,
so bitt` ich Gott, dass er nimmt wieder
gleich Bäumen, Sträuchern, Beeren, Früchten
was in mir ist an Herbstsehnsüchten
zu sich in sein gelobtes Land
und mich dazu an seine Hand.

So sprach ein alter, kluger Mann
erst kürzlich ernst zu seinen Lieben
und während er darüber sann,
welch Lebenswerk ihm ist geblieben,
kam unerwartet leise, schnell,
der Tod und holt` ihn auf sein Fell.

Nun tröstet alle, die verbleiben
auf unsrer Erde ohne ihn
ein Satz, den konnt` er nicht mehr schreiben,
obwohl ihm danach stand der Sinn:
Verurteilt mir den Himmel nicht,
des Herr zu euch jetzt dieses spricht:

Gesegnet sei...
der barmherzige Tod.
Er kommt ohne Klopfen,
bringt niemand in Not.
Er nimmt, was er gibt:
Ruhe und Frieden
und das, was ihr liebt.
Doch niemand braucht bitten,
denn ich werde euch geben
zur rechten Zeit
das ewige Leben.

Amen.




Rosen in Wachs*

Die letzten Rosen aus meinem Garten
habe ich dieses Jahr in Wachs getaucht.
Sie haben es aufgesaugt,
konnten gar nicht lang warten.

Rosen in Wachs mit Goldstaub belegt,
mit Heißluft befönt und getrocknet
erzählen fortan unentwegt,
was ihnen Reiz entlocket.

Ich seh` in jeder Knospe jetzt
die Zeit, die wir noch haben.
Sie hat sich in mir durchgesetzt
und alle Angst begraben.

Die Rosen zeigen Beständigkeit
und sprechen mit Ausdruck vom Ziel,
zu finden etwas Geborgenheit,
sei`s wenig oder auch viel.







Ich kann mich an den Winter nicht gewöhnen.
Er ist so rauh und auch so bitterkalt.
Darum liebe ich all die andern schönen
Jahreszeiten, die der Himmel malt.

Ich kann mich an den Winter nicht gewöhnen.
Er hat ein ganz besonders kühles Flair.
Deshalb schätze ich all die andern grünen
Jahreszeiten des Kalenders mehr.

Ich kann mich an den Winter nicht gewöhnen,
an Ski und Rodel gut bei Frost und Schnee.
Niemals werd` ich der Kälte mich versöhnen,
denn die tut auch tief drin im Herzen weh.

Ich will mich an den Winter nicht gewöhnen,
gehört er auch dazu wie Tag und Nacht.
Am liebsten würde ich den Himmel tönen
in Blau und Gold, was sonst die Sonne macht.

Ich muss mich an den Winter nicht gewöhnen.
Es gibt Gebiete, die er nicht mal kennt.
Und soll ich mit dem Schicksal mich versöhnen,
dann nur, weil es mir Zukunft noch benennt.





Die Weihnachtstage steh`n bevor
und draußen ist es nochmals grün.
Doch oben vor dem Himmelstor
kann ich schon Schneeballwolken seh`n.

So sammeln sich die Krähen nicht.
Der Wind weht lau und kommt von Süd.
Derweil mein Kind vom Winter spricht,
zieht Wehmut leis durch mein Gemüt.

Ich sitze sinnend in der Stube
und grüble tief nach dem ZUVOR.
Vielleicht gibt`s Schnee bald in der Tube
und auf Stanniol den Engelchor.

Die heil`ge Zeit ist längst dahin.
Der Mensch erduldet seinen Stress
und wie die Wolken weiterzieh`n,
sind auch Gedanken nur express.

Die Oma früher hatte Zeit
und Opa saß da noch am Herd.
Doch heute nun ist es soweit,
dass keiner sich mehr darum schert.

In unsern Herzen schlummert Friede,
der dann nur keimt, wenn wir gestehn:
mit Konsum aus der Plastiktüte
kann`s so perfid nicht weitergehn.

Wir treten die Natur mit Füßen
und trampeln auf der Saat herum,
als ob wir täglich ernten müßten
ein SCHLECHT, GEMEIN und äußerst DUMM.

So prägt sich jeder Tag zur Bosheit.
Gewalt in uns und ringsumher.
Das nun ist unsre Wirklichkeit,
nicht weiß wie Schnee noch schwarz wie Teer.

Die Herzen lernen nicht mehr lieben.
Gedanken fliehen uns davon.
Wer soll denn da noch Stimmung kriegen
auf weihnachtlichen Glockenton?

Ein Himmelschor bläst alle Tage
sein Ständchen in die Welt hinein
und stellt uns damit vor die Frage:
Wann wird endlich Weihnacht sein?

Die Schneeballwolken sind es nicht,
spendieren sie auch ihre Pracht.
So wie die Krähe nicht verspricht,
dass ihr Benehmen Winter macht.

Wir Menschen müssen endlich merken,
dass Weihnacht auch Besinnung heißt
auf Werte, nicht auf Pferdestärken;
auf Macht nicht, sondern guten Geist.

Erzähl` ich das dann meinem Kinde,
kehrt Frieden in die Herzen ein
und wenn ich dabei Ruhe finde,
wird`s auch dem Kind besonders sein.





Das Jahr, das geht im Kreis umher.
Monat für Monat schleppt es schwer
der Tage Last für viele Stunden
und kann doch nicht die Zeit umrunden.

Ist`s Jahr noch jung im Januar,
dann werden kleine Freuden wahr
und steht es dann im zweiten Monat,
hat man den Winter auch schon satt.

Im Märze zieht der Frost von dannen
und die noch auf mehr Kälte sannen,
sind sehr enttäuscht und müde auch
als wär` noch Winterschlaf im Bauch.

April, der wechselhafte, kühle
bringt schon erste Vorgefühle
auf den Wonnemonat Mai.
Frühling eilet schnell herbei.

Ist der Mai auf höchster Stelle
zeigt sich die erste Hitzewelle
und rückt dann der Juni an,
kommt das Regenwetter dran.

Juli - Urlaub, Ferienzeit!
Ein jeder Mensch ist da bereit,
die großen und die kleinen Sorgen
abzutun mit "Morgen, morgen..."

Vom August den Sonnebrand
holt man sich am Ferienstrand.
Wer nicht reist, steckt im Getreide
und hat dort die gleiche Freude.

Der September kommt gegangen,
Schule hat nun angefangen.
Alle fahren wieder dreißig,
wo Radar und Funk sind fleißig.

Erntedank Anfang Oktober.
Es gibt schon Blattrot in Zinnober
und der Kürbis wächst nicht mehr,
läßt sich ernten groß und schwer.

November und die grauen Nebel
gehör`n zusammen, teilt kein Säbel.
Uns`re Sonne blinzelt schwächer
über Gassen und auch Dächer.

Nur der Dezember kommt mit Macht.
Hört nur, wie der Frost schon kracht!
Alle Kleinen und die Großen
tragen lange Unterhosen.

Weihnachtsfest, bald bist du da.
Schnee fällt erst im Januar
und das Jahr geht krumm vor Last,
hat den Anschluß wohl verpaßt.

Rufen wir das neue her?
Ja! Dann ist es nicht so schwer,
von dem alten sich zu trennen.
Laßt es schlafen, laßt es pennen!





Das neue Jahr nun Einzug hält.
Es bring` euch Glück und auch viel Geld.
Seid frohgemut am ersten Ersten,
laßt andre Köpfe schmerzvoll bersten,

denn KÖM und ähnlich solche Sachen
bringen nur vorerst lautes Lachen.
Der Rest verfliegt in blauem Dunst
und Saufen ist ja keine Kunst.

Drum haltet mit uns fest am Sekt,
der prickelnd schäumt und auch gut schmeckt
und selbst uns halten lehrt das Maß.

Erhebet pünktlich euer Glas
und tauft das Jahr auf guten Namen,
dass jedes Korn sei feiner Samen.